Geschichte von 1856-1875



 1. Die Gründung der Ostbahngesellschaft

Um 1850 war der nordöstliche Teil Bayerns noch ohne Schienenwege. Bedingt durch den Bau der Ludwig - Süd- Nord - Bahn, der Ludwig - West - Bahn, der bayerischen Maximiliansbahn und der angespannten Kassenlage des Bayerischen Staates standen für den weiteren Ausbau der Schienenwege in Ostbayern kaum mehr finanzielle Mittel zur Verfügung. Zudem brachte der Betrieb der Bahnstrecken in den Anfangsjahren nicht den erhofften Gewinn. Somit wurde am 19.3.1856 die Gründung privater Eisenbahngesellschaften zugelassen und deren Finanzierung durch staatliche Zinsgarantien erleichtert.



Daraufhin gründeten Privatleute, Kaufleute und Fabrikbesitzer aus dem ostbayerischen Raum die

„Königlich privilegierte Actiengesellschaft der bayerischen Ostbahnen“.

Der Aktiengesellschaft stand ein Startkapital von 60 Millionen Gulden für den Bahnbau in Ostbayern und für die Beschaffung der erforderlichen Fahrzeuge zur Verfügung. König Maximilian II von Bayern erteilte am 12. April 1856 der Gesellschaft die Konzession zum Erstellen und Betreiben der Bahnlinien :



  • von Nürnberg über Amberg nach Regensburg,
  • von München über Landshut an die Donau,
  • von Regensburg über Straubing und Passau an die Landesgrenze,
  • von der Amberg-Regensburger Linie bei Schwandorf an die Landesgrenze nach Furth i. W.



Direktor der Gesellschaft wurde der bekannte Eisenbahnfachmann Paul Camille von Denis (1795 – 1872), der unter anderem auch die erste deutsche Eisenbahnstrecke von Nürnberg nach Fürth baute.

Die Eisenbahnen in Ostbayern, kurz vor der Verstaatlichung der Ostbahngesellschaft.



2. Die Strecke München - Landshut

Die Projektierung für diese Linie hatte schon die kgl. Eisenbahnbaukommission im Jahr 1854/55 vorgenommen und wurde von der Ostbahngesellschaft übernommen. Im November 1856 wurde dann mit dem Abstecken der Trasse für die Bahnstrecke München - Landshut und weiter zur Donau begonnen. Aus Richtung Moosburg kommend, war zur Zeit des Bahnbaues das etwa 3 km breite Isartal noch Überschwemmungsgebiet, dadurch war man gezwungen, die Trasse über Bruckberg und Gündlkofen auf die Nordseite des Tales zu verlegen. Erst bei Altdorf wurde das Tal mit Hilfe eines Dammes und Flutbrücken in Richtung Landshut gequert und erreichte dann den damaligen Kopfbahnhof an der Regensburger Strasse.



Im heutigen Landshut würde die Ostbahn - Trasse beim Bahnstrom - Unterwerk in Altdorf, wo die jetzige Strecke nach Süden abknickt, gerade über die Erlenstrasse durch die Wolfgangsiedlung in Richtung der Schokoladenfabrik Brandt führen und dann mit einem großen Bogen in eine Gerade einmünden, die man sich etwa vom heutigen Straßenbauamt in Richtung Liebigstraße, Sportgelände ETSV09 denken muss.



3. Der Bahnhof in Landshut

Bereits schon im August 1856 waren die Planungen für den Bereich Landshut abgeschlossen. Die erforderlichen Bahnhofsanlagen wurden in Landshut an der Regensburger Straße errichtet. Im Oktober 1857 waren alle erforderlichen Hochbauten, wie Bahnhofsgebäude und Lokomotivremisen fertiggestellt. Für den Personen- und Güterverkehr waren je drei Gleise angelegt worden, wobei die beiden Gleisgruppen jeweils mit einer Drehscheibe abschlossen, um ein Umsetzen der Lokomotiven zu ermöglichen. Entlang der Personenzuggleise stand das Empfangsgebäude.

Der östliche Hauptbau war zweistöckig und nahm neben Diensträumen auch die Wohnung des Bahnhofsvorstandes auf. Im anschließenden, eingeschossigen Gebäudeteil waren weitere Diensträume, die Wartesäle für 1., 2., und 3. Klasse sowie ein Wartesaal für den König. Die drei dem Personenverkehr dienenden Gleise waren mit einer hölzernen Bahnsteighalle überdacht.

Der Gebäudeplan der Station Landshut der Ostbahngesellschaft.

Der Gleisplan der Station Landshut. Die eingezeichneten Strassenzüge aus dem heutigen Landshut erleichtern die Ortsbestimmung.

Die Fotos stammen aus dem Jahr 1966. Sie zeigen das Hauptgebäude und die Vorbauten zur Straßenseite hin.



Zeichnungen von Günter Begert.



4. Die Eröffnung München-Landshut

Am 31.Oktober 1858 erreichte ein Probezug mit geladenen Gästen Landshut. Die offizielle Eröffnung für den Personenverkehr war der 3. November 1858 und ab 15.November fuhren gemischte Personen/Güterzüge. Da jedoch der Güterverkehr stark zunahm, wurde ab dem 23. November eine reine Güterzugverbindung eingerichtet. Der 1. Fahrplan beinhaltete drei Zugpaare täglich. Die Fahrzeit betrug etwa 2,5 Stunden.



5. weitere Streckeneröffnungen um Landshut

Vom 13. Dezember 1859 an war Landshut auch von Norden her, d.h. über Geiselhöring/Neufahrn mit dem Zug erreichbar. Das Gleis in Richtung Geiselhöring lief parallel mit dem Münchner Gleis aus dem Landshuter Kopfbahn heraus und trennte sich erst in Höhe des heutigen ETSV09 Gelände Isartal abwärts um bei Mirskofen dieses zu verlassen. Die Durchquerung des Hügellandes zwischen den Täler der Isar und der Kleinen Laaber verursachte beim Bau Schwierigkeiten und erforderte eine Reihe von Kunstbauten.

Für die Linie Landshut – Landau hatte zwar die Ostbahngesellschaft am 10.12.1874 die Konzession erhalten, doch es kam nicht mehr zur Bauvollendung vor der Verstaatlichung 1875



6. Planungen für den neuen Landshuter Bahnhof

Schon bald zeigte sich, dass der Kopfbahnhof in Landshut den betrieblichen Anforderungen und den steigenden Transportleistungen nicht mehr gewachsen war. Daher wurde mit den Vorarbeiten für die Strecke Landshut-Landau auch die Verlegung des Landshuter Bahnhofes zugunsten eines Durchgangsbahnhofes angedacht. Nachdem die Planungen, den Bahnhof bei Altdorf entstehen zu lassen, bei der Landshuter Bürgerschaft aufgrund der großen Entfernung (ca.2,5km) zum Stadtzentrum auf Ablehnung stieß, wählte man den jetzigen Standort im Nikolaviertel. Allerdings waren hier umfangreich Baumaßnahmen zum Hochwasserschutz erforderlich. 



7. Die Verstaatlichung

Mit der zunehmenden Verdichtung der Eisenbahnlinien begannen sich die Interessen der Bay. Staatsbahn und der Ostbahn zu überschneiden. Mit Gesetz vom 15. April 1875 erwarb der bayerische Staat rückwirkend zum 1.Januar die Ostbahngesellschaft. Die Betriebsübergabe erfolgte am 10.Mai 1875 und wurde auf die Oberbahnämter Nürnberg, Weiden und Regensburg aufgeteilt.

Die Bayerische Ostbahn verfügte zu diesem Zeitpunkt über ein Bahnnetz von 975 Kilometern Länge.



Quellenhinweise:
Fotos, Zeichnungen (teilweise) - Günter Begert

Festschrift 120 Jahre Eisenbahn München - 20 Jahre Modelleisenbahnclub Landshut

Festschrift 30 Jahre Modelleisenbahnclub

Landshut(Bay) Hbf - Armin Franzke

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